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Das Projekt ORPHEUS

Optimierung der Rauchableitung und Personenführung in U-Bahnhöfen: Experimente und Simulationen

Motivation

Unterirdische Verkehrsinfrastrukturen sind die Lebensadern moderner Großstädte und von zentraler Bedeutung für einen reibungslosen Transport vieler Menschen. Hinsichtlich der Sicherheit stellen sie jedoch eine besondere Herausforderung dar. Im Falle eines Brandes sind Fluchtwege durch den entstehenden Brandrauch möglicherweise nicht passierbar und Passagiere können sich nur schwer in Sicherheit bringen. Welches Ausmaß Brände in unterirdischen Verkehrsanlagen annehmen können, wurde in England, Russland und Süd-Korea deutlich.

Ziele und Vorgehen

Das Ziel von ORPHEUS ist die Verbesserung der Personensicherheit im Brandfall in unterirdischen Verkehrsanlagen. Ausgehend von Realbrandversuchen in U-Bahnstationen werden Simulationsverfahren erarbeitet, mit denen die Ausbreitung des Brandrauches prognostiziert werden kann. Brände stellen grundlegend andere Anforderung an die Prognose der Stoffausbreitung als sie in vorangegangenen BMBF-Vorhaben betrachtet wurden. Auf Basis der Rauchausbreitungsprognose wird der sicherste Fluchtweg ermittelt und kenntlich gemacht. Parallel werden Entrauchungskonzepte erarbeitet, die Fluchtwege unter Berücksichtigung geltender Grenzwerte rauchfrei halten sollen. In die Berechnung der notwendigen Evakuierungszeit fließen außerdem die Anforderungen spezifischer Nutzergruppen, wie Gehbehinderter ein. Das Konzept bezieht auch Einrichtungen an der Oberfläche, wie beispielsweise Kaufhäuser, mit ein, damit diese ihre Kunden im Brandfall schnell informieren und ggf. evakuieren können.

Innovationen und Perspektiven

Im Ergebnis entstehen Konzepte zur Entrauchung und Entfluchtung von unterirdischen Verkehrsanlagen. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist Bestandteil des Vorhabens, so dass sie in Zukunft auch Betreibern anderer unterirdischer Verkehrsanlagen zu Gute kommen.

Kurzbeschreibung

Im Februar 2015 startete das vom BMBF für drei Jahre geförderte Projekt ORPHEUS (Optimierung der Rauchableitung und Personenführung in U-Bahnhöfen: Experimente und Simulationen). Es soll die Sicherheit bei Bränden in komplexen mehrstöckigen U-Bahnstationen erhöhen. Bereits kleine Brände können große toxische Rauchgasmengen freisetzen. Mit Realbrandversuchen, Modellen im kleinen Maßstab und numerischen Strömungssimulationen werden in ORPHEUS technische Brandschutzkonzepte erarbeitet. Diese ergeben Lösungen für neue und bestehende Stationen sowie Speziallösungen für z. B. Treppenaufgänge. Untersucht werden auch organisationsübergreifende Interaktionen der Rettungskräfte, Anlagenbetreiber und angebundenen Verkaufsstätten. Diese Ergebnisse werden in Begleitung von kontrollierten und ungiftigen Verrauchungsversuchen in einer Großübung der Feuerwehr Berlin vertieft. Projektpartner sind das Forschungszentrum Jülich als Koordinator, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, die Firmen IBIT und ROM Technik, das Institut für Industrieaerodynamik und die Ruhr-Universität Bochum. Als assoziierte Partner oder im Unterauftrag sind die Berliner Feuerwehr, die Berliner Verkehrsbetriebe, die Deutsche Bahn, Hekatron, Karstadt, NVIDIA und das Team HF eingebunden.

Informationen und Kontakt

Förderer: BMBF, siehe auch Projektumriss des BMBF zum ORPHEUS Projekt

Programm: Forschung für die zivile Sicherheit Bekanntmachung: „Zivile Sicherheit – Schutz und Rettung bei komplexen Einsatzlagen“

Projektträger: VDI, Ansprechpartner ist Dr. Christian Krug

Gesamtzuwendung: 3.2 Mio. Euro

Projektlaufzeit: 02/2015 bis 01/2018

Koordinator und Ansprechpartner: Dr. Lukas Arnold